Es lesen:

Sarah Hofbauer
von Anfang an dabei. Muse, Femme Fatale......ALLES!
Sarah liest, wenn sie will. Don´t miss her!

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Christina Cervenka
Aufgewachsen auf einem Kärntner Bergbauernhof ist sie heute Ensemble-Mitglied des Wiener Burgtheaters.
Dazwischen: Schauspielstudium an der KUG-Graz.
Tini liest, wenn das Burgtheater ihr freigibt.

www.burgtheater.at

 

Ich (Markus Hell)
Der Notnagel, wenn sonst keiner kann, muss ich ran.
Dann muss ich "den Scheiss" selber lesen, sprich: "Autorenlesung"

www.thehell.at , achso, Sie sind ja eh schon da...

DER WEISSE HAI

 

Es war einmal ein weisser Hai,

der frass pro Tag so nebenbei

an die 50 Kilo Fisch

und einen halben Surfer, knackig-frisch.

 

Was uns erscheint äusserst brutal

ist für den Hai jedoch normal:

"Ich bin nunmal ein weisser Hai!

Daß Töten falsch sei, wär mir neu."

 

So sagt er sich und hat ja recht,

wie heisst es doch so schön bei Brecht:

"Erst kommt das Fressen, dann die Moral,

und überhaupt wäre es fatal

hätt' ich als Hai(!) Gewissensbisse

mir schmecken Menschen so wie Fische!"

 

SO denkt der Hai:

Ich bin der Weisse.

Don't ask why.

Ich beisse.

 

 

 

REINE LIEBE

 

Ich darf für mich beanspruchen so wie gut alle meine Träume verwirklicht zu haben.

Das fangt an bei der E-Gitarre (Fender), Rebellion (Eltern, Schule, Wehrdienst...Alles), Motorrad (Yamaha XJ 850, 85 PS),  und geht bis zu ein-scharfes-Model-als-Freundin-haben (Julia aus Novosibirssk, 3 Jahre. Also die Beziehung hat 3 Jahre gedauert, sie war so Mitte 20), im Ausland leben (1 Jahr Israel, 1 Jahr England,) ein Buch schreiben (Milano Model Mania).

Alles erledigt.

Aber: Die verwirklichten Träume unterscheiden sich teilweise doch erheblich vom ursprünglichen Traum.

Zum Beispiel war es mit 16 mein Traum: Rock-STAR zu werden.

Heute bin ich Rock-MUSIKER.

Ursprünglich träumte ich also davon Stewardessen im Flugzeug zu vögeln, in die Gangway zu urinieren, oder auf offener Bühne Gitarren zu zertrümmern und Hotelzimmer zu verwüsten, beispielsweise.

Die Realität heute schaut doch ETWAS anders aus.

Immerhin: Ich habe schon einmal Mal ein Handtuch aus einem Hotelzimmer entwendet.

Also im Prinzip bin ich schon voll hart.

Anfangs war ich ja nicht so hart, im Gegenteil, ich war innen ganz weich, wie die meisten Männer.

Aber die Strasse hat mich hart gemacht. Das Rocker-Leben. Der Rock n'Roll- Lifestyle, wie man so sagt.

Da sind ja die ärgsten Sachen passiert. Die glaubt einem keiner, wenn man sie erzählt.

Z.B. einmal, das war in Erlangen.

Ein Irish Pub. Winter.

Nach dem Gig fragte ich den Chef, wo denn unsere Zimmer wären. Er zeigte nach oben, deutet auf eine Holztreppe, die zu einem offenen Verschlag führt, direkt über dem Pub.

Eine alte Matratze, keine Decke. In der Ecke sind ein Paar tote Vögel gelegen. Ziemlich grosse Vögel. Tauben? Hühner? Enten? Gänse?

Sassi, der Bassist, hat verweigert und sich ins Auto gelegt: "Lieber erfrieren, als neben diesen Kadavern zu nächtigen!" Wo der Schlagzeuger war, hab ich vergessen.

Ich blieb in dem Verschlag. Mich mit den toten Vögeln zugedeckt. Nein, stimmt nicht, das mit dem Zudecken war jetzt nur ein Witz.

Jedenfalls bin ich durch solche Erlebnisse immer härter geworden, Schritt für Schritt. Bis ich eben irgendwann diese harte Sau war, die jetzt leibhaftig vor ihnen sitzt.

Oder. Anderes Beispiel. Freiburg im Breisgau. War glaub ich sogar die gleiche Tour. Wieder Winter, wieder mit Sassi am Bass, wieder ein Irish Pub. Ein riesiges Pub direkt am grössten Platz im Zentrum Freiburgs, direkt neben dem weltberühmten Münster. Gotik. Da hatten wir GAR keine Zimmer. ABER das Angebot vom Chef im Heizungskeller zu schlafen. Zwischen den ganzen Röhren. Schön warm. Sassi hat wieder verweigert, ging wieder ins Auto. "Lieber erfrieren, als diese Demütigung zu ertragen". Sassi hat sich seinen Stolz bewahrt, bis heute übrigens. Ich blieb im Heizungskeller. Weil bei mir genau umgekehrt, Hauptsache warm, und meinen Stolz hatte ich da schon lange verloren, irgendwo auf Tour. Bin auf dem nackten Fussboden im Staub gelegen. Zugedeckt mit meiner Jacke, die Röhren 20 cm vor meiner Nase.

Ich meine, das sind längst nicht die ärgsten Geschichten. Aber alles muss man ja nicht erzählen, alles soll man nicht preisgeben. Über manche Vorkommnisse sollte man besser den Mantel des Schweigens breiten, die Beteiligten werden es mir danken.

Aber nicht, daß sie mich jetzt falsch verstehn. ich bereue nichts. Je ne regrette rien, um es mit Edith Piaf zu sagen. Seinen Träumen muss man immer treu bleiben.

Noch ein Beispiel. Noch eine Geschichte für Sie, damit sie sich ein besseres Bild machen können.

Wieder Deutschland, wieder Baden-Würtemberg. Diesmal war ich mit Vladimir, dem serbischen Drummer, und Wolfi, dem Tiroler Bassisten, unterwegs. Wir hatten uns irgendwo im Raum Esslingen, Tübingen, Göppingen, nein nicht Göttingen, bitte genau zuhören, GöPPingen (oder war es doch Reutlingen?) verfahren, und standen nun mit unserem Mazda mitten auf einem Dorfplatz. Gestrandet. Konnten  nicht vor und zurück, wussten nicht mehr weiter. Navi gab's noch keins, bzw. wir hatten keins. Wolfi's Tiroler Akkzent war dem hiesigen Dialekt noch am nächsten und so war er ausgestiegen, um die Passanten nach dem Weg zu fragen. Währenddessen versuchte Vladimir das Auto zu wenden. Mir fiel auf, daß Wolfi ganz nah am Wagen stand. Plötzlich beugte er sich mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck zum Fenster herunter und sagte im breitesten + behäbigsten Tirolerisch: "Pass auf, du steast auf mein Fuass!" Zuerst haben wir ihn nicht verstanden, es dauerte ein paar Sekunden bis wir kapierten und noch ein paar weitere schreckliche Sekunden bis Vladimir den Vorwärtsgang eingelegt und den vollgepackten Mazda ein paar Zentimeter weiterbewegt und Wolfi's Fuss somit von der tonnenschweren Last befreit hatte. Während Wolfi, sich in Schmerzen windend, auf diesem baden-württembergischen Dorfplatz zu Boden sank, bekamen wir zwei, Vladimir und ich, leider einen Lachanfall. Ich führe unser unentschuldbares Verhalten auf den Restalkohol vom Vortag und auf unsere tourbedingte Übermüdung zurück. 

Wolfi ist nach diesem Vorfall eine Weile gehinkt, hat aber keine bleibenden Schäden davongetragen. Ich traf ihn kürzlich am Grazer Hauptplatz, und er ist ganz normal gegangen.

Wie gesagt, daß sind längst nicht die ärgsten Geschichten. Und alles stimmt.

Fragen Sie Sassi, der war oft dabei, der kann alles bestätigen.

Oder fragen sie Simon, mit dem ich an die 700 Gigs gespielt habe.

Fragen Sie Schubi ( 500 Gigs). Fragen Sie Didi. Fragen Sie Jo. Roland, Schutti. Fragen Sie den Stölzl Tom. Fragen Sie den anderen Vladimir oder fragen Sie Helfried. Ranzi. Dobi. Ich meine, fragen Sie wen sie wollen. Das sind alles meine Kollegen, meine Freunde, im Prinzip meine Brüder. Verstehn Sie?

Aber natürlich HASSEN wir uns mittlerweile. Klar. Nach so vielen Jahren "On the road", wie man so schön sagt, nach weit über tausend Auftritten und ebensovielen Line- und Soundchecks, nach Dutzenden zu Schrott gefahrenen Autos, nach zig ruinierten Gitarren, Bässen, Drums und Keyboards, nach unzähligen Wiener Schnitzeln, Pizzen, Toasts, Frankfurter Würschtl, nach 1 Million Krügel Bier und 10000nden Schnäpsen, nach einer Milliarde Zigaretten und einer nicht mehr eruierbaren Anzahl an Joints, nach unbeschreiblichen alkoholbedingten Abstürzen, Eifersuchtsdramen, Bandauflösungen und Exzessen aller Art, nachdem wir bejubelt, beklatscht, bewundert, bestaunt, bemitleidet, beschimpft, bespuckt und geschlagen wurden - nach 30 Jahren ROCK 'N ROLL VERDAMMTE SCHEISSE!!!, 

da können Sie nicht erwarten, daß wir uns um den Hals fallen, wenn wir uns treffen um uns wieder auf den Weg zu einem Gig in irgendeinem gottverlassenen Kaff machen. Nein. Wir hassen uns und wir gehn uns inzwischen alle mächtig auf die Eier.

ABER: Sind eben doch meine Brüder.

Und EIGENTLICH, wenn sie es wirklich wissen wollen, also jetzt mal ganz ehrlich:

Es ist die REINE LIEBE.

 

 

 

DAS PIRELLI HOCHHAUS

 

Hat man also die grandiose Stazione Centrale, den Mailänder Hauptbahnhof durchschritten, so gelangt man auf einen weitläufigen Platz.

Sofort fällt der Blick auf die schmale Silhouette des 40stöckigen Gebäudes rechter Hand.

Das Pirelli Hochhaus!

Einer der ersten Wolkenkratzer Europas und für lange Zeit das höchste Gebäude Italiens.

Hoch und schlank wie ein Model steht es da!

Das elegante Wahrzeichen Mailands, erbaut in den 50ern, zeitlos schön.

Einmal ist ein Flugzeug hineingeflogen, so wie bei 9/11, und es ist auch steckengeblieben, so wie bei 9/11, aber im Gegensatz zu den beiden Türmen des World Trade Centers in New York ist das Pirelli Hochhaus NICHT eingestürzt! Offenbar besser konstruiert. Die Italiener waren eben immer schon grossartige Baumeister.

Ok, es war auch kein Jumbo-Jet, nur ein Sportflugzeug, aber das ist mir EGAL!

Denn ich LIEBE Mailand! Und ALLES ist in Mailand besser als irgendwo sonst!

Ach, Ihr Unwissenden!

Fahrt nur weiter in euer Venedig, in euer Florenz! So habe ich Mailand wenigstens für mich alleine!

Wo gibt es die schönsten Frauen? In Mailand.

Wo das lässigste Design? In Mailand.

Wo steht der geilste Dom? In Mailand.

Wo wird der beste Fussball Italiens gespielt? Schon mal was von Inter oder vom AC Milan gehört?

Banausen!

Wo gibt es die besten Unis Italiens?

Wo die wichtigste Tageszeitung?

Wo die meisten TV-Stationen?

Wo die grössten Banken?

Wo die mächtigsten Wirtschaftsbosse?

Wo ist das eigentliche Zentrum der Mafia?

In Mailand, in Mailand, in Mailand!

Fahrt doch weiter in euer Rom wo ihr ausgenommen werdet wie die Weihnachtsgänse, und wo das Pissen soviel kostet wie in Mailand ein Martini!

Fahrt doch weiter in eure geliebte Toskana und stürzt euch meinetwegen vom schiefen Turm von Pisa!

Oder fahrt weiter nach Siena und zertrampelt euch gegenseitig in den engen Gassen der Altstadt!

In Mailand GIBT es gar keine Altstadt mehr, weil die wurde im 2. Weltkrieg ausradiert!

SI Signore,  SO schaut das aus!

Und? Geht die vielleicht irgendwem ab, diese Altstadt?

So eine verwinkelte Altstadt ist doch schlecht für den Verkehr und das Geschäft!

In Mailand ist PLATZ! VIEL Platz!

Und dazu FREIE Sicht auf die Alpen! JAHA, auf die Alpen!

Aber das wisst ihr armen Teufeln natürlich Alles nicht.

Innerhalb einer Stunde ab Mailand sind zu erreichen:

Der Lago di Como.

Der Lago Maggiore.

Der Lago Lugano.

Um nur ein paar zu nennen.

Dazu die Städte:

Brescia.

Bergamo.

Pavia.

Nur so als Beispiel.

Keine Ahnung habt ihr, ihr bemitleidenswerten Hascherln!

Die Metro: billig!

Die Pizza: billig!

Die Pensionen: billig!

UND DIE MODELS: G R A T I S !!!

Aber wozu plärre ich herum?

Wozu reg ich mich auf, für was, bitte schön, red ich mir den Mund fusselig?

Ich weiss ja, nichts wird sich ändern.

Dabei wäre es so einfach.

Zuerst bis Mestre, dann rechts abbiegen. Also nicht Richtung Süden, sondern nach Westen, immer weiter nach Westen, quer durch die Po-Ebene, bis Mailand.

Fertig.

Aber es ist komplett sinnlos euch das zu erklären.

 

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Markus Hell Lendkai 67
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