Sarah liest und Markus spielt ihr den Blues!
Sarah Hofbauer 

seit vielen Jahren fixer Bestandteil der freien steirischen Theaterszene - liest Texte von Markus Hell: Gedichte,Reisestories,Alltagsbetrachtungen,Gedankensplitter.
Mal charmant, mal cool,mal naiv, mal abgebrüht, bringt Sarah die Hell'schen Texte zum Leuchten und fördert neue Facetten zu Tage.
Sarah ist die süßlich säuselnde Lesemaus oder das brüllende Lesebiest. Sie changiert zwischen dem unbedarften Mädel von Nebenan und der launischen Diva,die schon Alles gesehen hat und nichts bedauert.
Die Basis von Sarah's Vortrag bildet aber ihre natürliche,angenehme Stimme, mit der Sie Markus auch gesanglich unterstützt. Freuen Sie sich auf Songs + Stories, Blues + Poesie, auf einen abwechslungsreichen, inspirierenden Abend mit vielen traurig-komischen und witzig-absurden Momenten.

 SCHULE DER DICHTUNG

 

 Wie werde ich Poet -

 Wir zeigen Dir wie's geht:

 

 Nimm ein paar Wörter,

 Blu  Bla  Bli

 schüttel sie, irgendwie...

 frag nicht wozu und frag nicht wie -

 erste Lektion in Poesie.

 

 Dann gehst du in die nächste Bar

 und trinkst in dieser Bar ein Bier.

 Irgendwas fällt dir schon ein..Nein?

 "Noch ein Bier!"

 Immer locker! - Lektion Vier.

 

 Nun trittst du wieder auf die Strasse

 und lässt dich einfach treiben...

 Da bellt ein Hund, da plärrt ein Kind...

 vergiss nicht Alles aufzuschreiben!

 Papier und Kuli: stets dabei! - Lektion Zwei.

 

 So. Und was kommt jetzt? Richtig! Lektion Sieben!

 Wann ist die rechte Zeit sich zu verlieben?

 Immer! Stets! Tag und Nacht!

 Doch ist die Liebe nur ein Spiel...

 Und aus dem hübschesten Gesicht

 machst du ein noch schöneres Gedicht.

 Und hat's dich wirklich mal erwischt,

 so darfst du NIE darüber schreiben,

 denn ERNSTgemeinte Liebeslyrik

 ist - pardon - zum Speiben.

 

 Lektion Drei:

 mach dich frei!

 

 Lektion Sechs:

 böse Hex!

 

 Lektion Zehn zu guter Letzt:

 DU DARFST DICH "DICHTER" NENNEN JETZT!

 


OZELOT
Ein Haustier wollte ich nie haben. Einen Hund oder eine Katze, das kommt ja überhaupt nicht in Frage. Oder gar einen Hamster, Wellensittich und was es sonst noch so gibt. Hahaha! SICHER nicht!
Bis ich eines Nachts diesen verrückten Traum mit einem Ozelot hatte. Ja, mit einem Ozelot! Fragen Sie mich nicht warum...wie bin ich ausgerechnet auf einen Ozelot gekommen, ich weiss es nicht.
Morgens im Bett, dem Traum nachsinnend, hatte ich dann jedenfalls diesen Gedanken, der langsam zu einer fixen Idee wurde:
Ich MUSS mir einen Ozelot anschaffen! WENN schon ein Haustier, dann soll es schon ein besonderes, ein ganz spezielles, wie zum Beispiel ein Ozelot sein! Dann können die in Graz mit ihren Kampfhunden und Zwergpinschern und Mischlingshunden alle SCHEISSEN gehn! Leider habe ich die Eigenschaft, alles was ich mir in den Kopf setze, auch durchzuziehn, bis zum bitteren Ende.
Der Plan war einfach: Hinflug. Rein in den Urwald. Ozelot fangen. Raus aus dem Urwald. Rückflug. Fertig.
Logisches Denken, eine klare Strategie sind unheimlich wichtig, das habe ich mir von Niki Lauda abgeschaut.
Gesagt, getan. Ok, ganz so einfach war es dann doch nicht.
Erst mal gegoogelt, wie schaut so ein Ozelot überhaupt aus (denn auf meinen Traum wollte ich mich diesbezüglich nicht verlassen), wo lebt er, ok, in Südamerika.
Jagd, Transport usw. natürlich alles komplett illegal, darauf stehn mindestens 20 Jahre. Ausserdem ist der Ozelot praktisch ausgestorben. Ja gut, damit habe ich quasi gerechnet, aber von so einer Lappalie lasse ich mich sicher nicht von einem fixen Vorsatz abbringen, und alle die mich kennen, WISSEN, was das Wort "FIX" für mich bedeutet, alles was FIX ist, MUSS dann auch GENAU so wie vereinbart geschehn und durchgeführt werden.
Also, los ging's: Flug nach Bogota. Weiter mit dem Bus in eine Provinzstadt. Dort 2 Wochen mit der lokalen Mafia gesoffen. Dann weiter mit einem Führer und einem Lama, das war noch im Hochland, dann Umstieg auf einen Esel (weil das Lama ist gemacht für das Hochland,  nicht für den Urwald, das Lama hält den Urwald nicht aus), auf dem Esel rein in den Urwald, dann Giftpfeil, also Überfall, Entführung, 6 Monate bei einem noch unentdeckten Indianerstamm gelebt, deren Spreche erlernt, bis ich ihnen in IHRER Sprache erklären konnte, daß sie für mich sicher KEIN Lösegeld bekommen würden, weil für mich keiner zahlt, da wurden sie unglaublich wütend und sie berieten, ob sie mich einfach umbringen und braten und auffressen sollen. Doch sie brieten mich nicht. Denn inzwischen, nach 6 Monaten Urwald, war ich total abgemagert, die haben mich ja für alle möglichen Arbeiten herangezogen,l ausgenutzt haben sie mich, diese Arschlöcher, und ich musste auch mit auf die Jagd, aber ausser Schlangen, Ratten und ab und zu einmal einem Opossum, haben wir nichts gefangen, und ich hatte auch ständig Durchfall und so stark abgenommen, daß ich keinen ordentlichen Braten mehr abgegeben hätte, "WARUM", brüllte ein junger Hitzkopf, " Warum haben wir ihn nicht GLEICH umgebracht und gefressen, als er noch schön FETT war!?". Jedes Wort habe ich verstanden, ihre Sprache konnte ich ja inzwischen echt gut.
Danach gab es noch ein paar urwald-typische Vorfälle, arge Sachen darunter, aber ich will Sie damit nicht weiter langweilen, man kennt das ja alles aus Hollywood, oder schaun Sie sich einen Film von Werner Herzog an, "Fitzcarraldo" oder "Aguirre, der Zorn Gottes", mit Klaus Kinski, die spielen auch im Urwald, oder lesen Sie halt "Das Herz der Finsternis" von Joseph Conrad, dann haben Sie eine ungefähre Vorstellung.
Jedenfalls: Irgendwann hatte ich ihn dann, den Ozelot. Also DOCH nicht ausgestorben! Da sieht man wieder einmal, wie diese Ökofanatiker immer übertreiben. Man darf sich NIE von einem fixen Plan abbringen lassen.
Also dann mit dem Ozelot raus aus dem Urwald, auf dem Esel, also ICH auf dem Esel, der Ozelot lief nebenher (die beiden haben sich übrigens gut vertragen), bis ins nächste Dorf, Umstieg aufs Lama, dann wieder die Provinzstadt, dann Bogota usw. usw., mein Gott, JA, es GAB ein paar heikle Situationen, vor allem am Flughafen,
wie dieses Vieh durch den Zoll bringen, inzwischen habe ich ihn übrigens auf den schönen Namen "Ozelot" getauft, wozu ihn anders nennen, er wird ja der Einzige seiner Art in Graz sein, also wo bin ich stehngeblieben, ja genau, Flughafen, Zoll, Gepäckaufgabe, das war alles recht kompliziert, aber darum geht es jetzt nicht, bitte denken Sie sich selber was aus, wie ich das alles angestellt haben könnte, denn ich muss jetzt langsam zum Punkt kommen, zum Kern der ganzen Ozelot-Geschichte.
Ich mach es ganz kurz, also passen Sie auf:
Ich bin glücklich mit Ozelot in Graz angekommen, und wir kamen sehr gut miteinander aus. Ich war natürlich, wenn ich Ozelot ausgeführt habe, der absolute Star am Lendkai, wenn wir zwei ganz lässig an der Mur entlang spaziert sind, unter diesen ganzen langweiligen Studentinnen mit ihren lächerlichen grossen und kleinen Hunden, unter diesen Singlefrauen zwischen 30 und 100, die glauben, daß sie durch einen ausgefallenen Rassehund oder einen psychisch gestörten Mischlingshund irgendwie interessanter werden, unter diesen enthirnten, bärtigen, tätowierten Hipster-Heinis mit ihren fassförmigen, niedrigen Bulldoggen - Das war eine coole und schöne Zeit.
Es gab ÜBERHAUPT kein Problem. Bis auf Eins: Ozelot war zu teuer! Ich konnte ihn mir einfach nicht leisten! Was der zusammenfraß! Eine Unmenge an Fleisch. Und Ozelot war sehr wählerisch.
Ich habe ihm VERSUCHT zu erklären, daß wir hier nicht im Urwald sind, sondern in Österreich, daß er eine KATZE ist, zwar eine Raubkatze, ABER eine Katze, und Katzen ernähren sich bei UNS,
in UNSEREM Kulturkreis, von Katzenfutter, nicht von Frischfleisch, Ozelot verlangte immerzu Frischfleisch, das ich ihm anfangs noch vom Bauernmarkt am Lendplatz besorgt habe, erste Qualität, aber es wurde mir wie gesagt zu teuer, und es INTERESSIERT mich nicht, schrie ich ihn an, was du im Urwald gejagt und gefressen hast, du bist hier zu GAST in diesem Land, du musst dich anpassen, assimilieren, integrieren, und du WIRST das Katzenfutter, das ich dir beim Hofer besorge (ich wohne gleich beim Hofer am Lendkai) verdammt noch einmal fressen, und wenn dir das nicht GUT genug ist, weil du dir einbildest was BESSERES zu sein, dann müssen wir uns trennen! So leid's mir tut.
Ich meine, das ist die Kurzform, das war nur eine Zusammenfassung, es war ja alles noch viel komplizierter, es gab noch ein paar andere Probleme, aber das würde jetzt zu weit führen.

Jedenfalls, nach 7, 8 Wochen war ich, waren wir, am Ende. Total zerstritten. Irreparabel. Wir haben uns alle möglichen Dinge an den Kopf geworfen, sie kennen das, wenn eine Beziehung in die Brüche geht. Schrecklich.
Und jetzt komme ich zum Schluss, und damit dazu, warum ich diese ganze Geschichte überhaupt aufschreibe, ich komme zum letzten Satz, den ich zu Ozelot gesagt habe, als er schon bei der Tür stand, mit all seinen Sachen, zu diesem Satz, der mir so im Magen liegt und für den ich mich bis heute schäme, und damals, das müssen Sie sich einmal vorstellen, dachte ich, ich sei besonders witzig und originell, so ein Trottel war ich, ich sagte also in meinem Schmerz und in meiner Verbitterung zu ihm zum Abschied den folgenden, allerletzten Satz:
"DU, OZELOT, BIST ABSOLUT OBSOLET!

 

 

Markus liest eigene Texte:
Der Weisse Hai
Schule der Dichtung
Vogue

 

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